Neue Marke, altes Problem
Ein altes Sprichwort besagt: “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.” Gleiches gilt wohl auch für Deutschlands erstes PayTV-Konzept, ehemals “Premiere”.
Die belastete Marke wurde kurzerhand abgeschafft und durch “Sky Deutschland” ersetzt. Miese Aktienkurse, Quartalszahlen direkt aus der Hölle, schlechter Service, miese Angebotsstrukturen. Was hätte man mit dem “Wechsel” doch alles ändern können. Der englische Senderverbund BSkyB, der zu gut 40% dem Murdoch-Konzern gehört, hatte Anfang Juli alle, aber auch wirklich alle Möglichkeiten, die Fehler der alten Marke zu korrigieren. Nichts ist geschehen…
Alte Probleme
Größtes Problem von Premiere war seit jeher das Konzept, Pakete nur in bestimmten Bündeln anzubieten. Ohne das Basispaket keine Bundesliga. Allerdings waren im Bundesliga-Paket wiederum keine internationalen Fußballspiele enthalten. Natürlich auch keine DFB-Pokal Partien oder gar Spiele der WM- oder EM-Endrunden. Wer also all diese Dinge sehen wollte, musste tief in die Tasche greifen. Paketpreise jenseits der 30 Euro machten das Angebot unattraktiv, man fühlte sich veräppelt und fragte sich:
Warum
- habe ich drei Kindersender?
- läuft auf Premiere Sport immer nur Golf?
- sind die Filme auf den Spartenkanälen nur der letzte Rotz?
- sind die Filme auf den Kinokanälen bereits seit Wochen in der Videothek erhältlich?
Premiere argumentierte damals -ebenso wie heute Sky Deutschland- mit der “Tatsache”, dass die Hauptgruppe der Abonenten junge Familien wären und die Bündelung der Angebote dieser Gruppe zugute käme. Andererseits war in jeder Premiere-Werbung Fußball im Fokus. Auch Sky wirbt mit unzähligen Stunden Live-Fußball, wie übrigens auch der IPTV-Konkurrent Liga Total von T-Home. Schon diese Ausrichtung der Werbung passt nicht zur getätigten Aussage. Viel eindeutiger wird die These aber von der Wirklichkeit widerlegt. Als Premiere zwischenzeitlich die Bundesliga-Übertragungsrechte an “Arena” verlor, hatte der Konzern den größten Kundenschwund seit Sendestart zu verknusen… Die Argumentation schrammt also direkt am Kunden und der Realität vorbei. Neue Marke, altes Problem.
Konkurrenz
Arena ist das Stichwort. Fußball. Nur Fußball. Nichts anderes. Für knapp 10 Euro im Monat. Dieses Angebot zog wunderbar. Arena scheiterte jedoch an fehlenden Senderechten im Netz von Kabel-Deutschland und musste dort letztlich doch auf die Infrastruktur von Premiere zurückgreifen, um die von der DFL geforderte Abdeckung zu erreichen. Die Alternative verschwand dann leider recht fix wieder, viele abgewanderte Premiere Kunden kehrten zurück. Zu ca. dreifachen Abo-Preisen. Wer Fußball schauen wollte, biss wieder in den sauren Apfel.
Sky Deutschland
Als im März 2009 die Nachricht durchsickerte, dass die alte, belastete Marke durch einen Einstieg von Sky verschwinden sollte, kam Bewegung in den Markt. Zunächst befürchteten die Schwarzseher, dass die Verschlüsselungsmethode geändert werden würde. Dies rief die Nutzer der guten alten dBox2 auf den Plan. Diese befürchteten, dass ihre bis ans Limit umgemodelte dBox nicht mehr funktionieren würde und man neue Receiver benötigte. Die Panik war nicht nötig - wer schwarzsehen will, findet auch heute Möglichkeiten, und die gute, alte dBox2 funktioniert noch immer brav. Premiere und Sky scheiterten hier erneut grandios, die Kunden entsprechend umfangreich über die anstehenden Veränderungen zu informieren. Das Chaos blieb im Rahmen, da man sich als Kunde des Chaosunternehmens nach dem Verlust der BL-Rechte zuvor bereits an diese nicht vorhandene Informationspolitik gewöhnt hatte. Neue Marke, altes Problem.
Leider blieb neben Verschlüsselung und Informatiomspolitik auch die Abostruktur. Wer heute alle Fußballspiele sehen möchte, bestellt zwangsweise das Basis-Paket und zwei Premium-Pakete. Gesamtpreis knappe 45 Euro im Monat. Zur Verdeutlichung: Arena verlangte seinerzeit ein knappes Viertel dieses Preises! Sky argumentiert wieder mit der “jungen Familie” und Zusatzfeatures wie HD-Übertragung. Diese schlägt allerdings mit zusätzlichen 5 Euro zu Buche. Und ganz ehrlich: Es reicht mir völlig, Kevin Kuranyis Bärtchen in normaler Auflösung sehen zu müssen… Neue Marke, altes Problem.
Der Ausblick
Bei diesen Preisen wird auch Sky das sinkende Schiff nicht wieder flott bekommen. Wie lange können Schiffe eigentlich sinken? Gefühlt dürfte Premiere/Sky bereits am Boden des Marianengrabens liegen, was wohl den Begriff “Bergung” treffender macht. Also: Sky wird PayTV nicht bergen können, wenn man die alten Fehler wiederholt. Schwarzsehen wird wieder attraktiver werden. Die zahlenden Kunden werden unter Änderungen der Verschlüsselung leiden. Man wird “mehr Exklusivität” fordern und den Bundesligaspieltag weiter stückeln und letztlich wird man beim nächstbesten günstigen Angebot wieder einen gravierenden Kundenschwund verzeichnen können. Es gilt das schöne Akronym SNAFU. Oder eben: Neue Marke, altes Problem!

27. Juli 2009 um 15:41
Dein Artikel gefällt mit. Haben ja letzte schon kurz über die neue Marke mit dem alten Problem gesprochen - hast du aber nochmal gut auf den Punkt gebracht!
28. Juli 2009 um 16:34
Du bringst hier mal neue Themenfacetten in den Blog. Weiter so, Feierabend-Boy. Von Sky weiß ich nur, dass sie in anderen Ländern besser aufgestellt sind. Nun kann man die nationalen Mediensituationen auch nur bedingt vergleichen. Von daher sage ich nur: Einfachheit ist und bleibt der Schlüssel. Bei iTunes einen Film ausleihen ist wirklich einfach. Leider gibt es auch dort noch nicht die Burner-Filme.