Vulkan - Ne, mehr so Strohfeuer…
Bisher habe ich mich standhaft geweigert, zweiteilige “RTL Event-Movies” oder “Pro7-Blockbuster” zu schauen. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, mich dort unnötigem Ärger auszusetzen. Naja. Sonntag und Montag kam dann “Vulkan” auf RTL, mit allerlei bekannten und mittelbekannten B und C Promis, die wir wohl demnächst auch im Dschungelcamp beobachten dürfen. Fürchte ich…
Der Film jedenfalls lässt für die Zukunft der Darsteller nur wenig Gutes hoffen. Ich habe mich regelrecht geärgert, zwei Abende meines Lebens diesem auf den Bildschirm gebannten Rotz gewidmet zu haben. Boah, war das SCHLECHT! Und wenn ich “SCHLECHT” sage, dann seht dies bitte vor dem Hintergrund, dass ich gewöhnlich sogar der Supernanny oder Peter Zwegat noch ein gewisses komödiantisches Vermögen zubillige.
“Vulkan” war eine Aneinanderreihung von Plots. Diese waren teilweise sogar interessant, der psychotische und suizidgefährdete Mann vom Ordnungsamt beispielsweise hätte eine gute Geschichte ergeben können. Leider muss er sich den (Sende-)Platz mit teilweise komplett unsinnigen Charakteren und unendlich vielen Fehlern im Film teilen.
Da wäre Jenny Elvers, die eine Businesstussi spielt. Sie steht in Frankfurt vor einem Fenster, begutachtet die Asche-Wolke und stirbt letztlich im Ascheregen vor einem elektrischen Rolltor, welches aufgrund eines Stromausfalls nicht funktionierte. Das schnell gezückte Asthmaspray half dann auch nicht mehr wirklich… Komisch auch: Warum war sie in ganz Frankfurt die einzige Person auf der Straße? Und: Welche Bedeutung hatte der Charakter?!? Diese Frage lässt sich ebenso bei den zwei Halbstarken stellen, die den Psycho-Beamten erst ärgern und dann von ihm hingerichtet werden. Sollte dies den Charakter des Psychos schärfen? Immerhin saß der Typ zwischenzeitlich mit einer Pistole im Mund auf dem Bett und wollte sich umbringen. Oder muss das RTL-Publikum derlei Umstände mit dem Zaunpfahl erklärt bekommen?
Die Reihe sinnbefreiter Charaktere lässt sich fortsetzen: Die verwirrte Bankerfrau, die zum Engel eines Todkranken wird. Die Fremdgeherin (die unausweichliche Katja Riemann), die ihren Mann trotz zweier Kinder mit ihrem Schulfreund betrügt und, ebenso wie der Schulfreund, mitten im Film stirbt. Der Betrogene, der sich zur Rettung aufmacht, ziwschenzeitlich mal austickt, angeschossen wird und die Freundin des Helden aufgabelt, die ebenfalls wieder in die Krisenzone zurück will. Die hatte sie nämlich verlassen, weil sie den Helden des Films, ihren Freund, mit einer anderen (Yvonne Catterfeld) beobachtet hatte. Und außerdem wollte sie ohnehin nicht mehr im Dorf bleiben, drohte nach dem Herztod des Vaters ihres Freundes doch die Übernahme eines hoffnungslos verschuldeten Hotels. Die untragbare Finanzierung wurde vom offensichtlich klammen Banker vorgeschlagen, der damit seine eigene Finanzmisere zu verbessern hoffte und nebenbei sogar sein Haus anzündet, da dieses als einzige Immobilie vom “Fallout” verschont bleibt, und letztlich die eigene Bank beklaute. Die umtriebige Fremdenführerin, die ihrer Punk-Attitude und Hintertriebenheit dann plötzlich freien Lauf lässt, ist ebenfalls ein Phänomen. Klingt verwirrend und nervig? Ist es auch. Der Film verstrickt sich in unendlich vielen Nebengeschichten, die noch dazu völlig unnötig sind.
Der Teufel steckt im Detail
Statt diese Geschichten in Zweiteilerformat zu prügeln, hätte man sich lieber der Logik des Films widmen sollen. Im Film dehnt sich nach dem Aufeinandertreffen des gesamten Inhalts eines Sees mit der heißen Lava eine 600° heiße Dampfwolke kreisförmig aus. Yvonne Catterfeld auf die Frage, was mit den Menschen passiert, die von dieser Wolke getroffen werden: “Sie zerplatzen!”. Okay. Wenn nun ein Konvoi von dieser Wolke getroffen wird, müsste dieser doch eigentlich komplett getroffen werden. Oder?! Kreisförmige Ausdehnung und so… Naja, ein Bus kommt durch, mit völlig unverletzten Insassen, ein anderer wird komplett zerlegt, alle sind tot. Alle? Nein!!! Die Tochter des Bankers überlebt die 600° heiße Dampfwolke mit ein paar Schrammen…
Der oben erwähnte und an der Schulter angeschossene Mann der Fremdgeherin liegt in einem Moment röchelnd am Boden, im nächsten rennt er springfidel aus einem zusammenbrechenden Haus und am Ende kann er sogar, trotz nicht erfolgter Wundversorgung, zwei Babys im Arm halten. Auch die mehr als 24 Stunden ohne Wasser eingeschlossene und kurz vor dem Tod stehende Fremdenführerin Schrägstrich Punkerbabe erlebt zwischenzeitlich eine Wunderheilung. Hanebüchen!
Was auch noch sehr lustig war: Erst heißt es, Handy und Funkverkehr wäre nicht möglich. Im Krisengebiet klingelt aber munter das eine oder andere Mobiltelefon. Und als dann der rettende Helikopter angefordert werden muss, funktioniert plötzlich auch die olle BW-Funke wieder.
Ach ja, der Helikopter. Der gehört einem Freund, der einem Charakter noch was schuldet. Natürlich nimmt man dann seinen Heli und begibt sich in Lebensgefahr, weil man dem Kumpel noch ein Bierchen schuldig ist…
Grottenschlecht. Was kann einen solchen Film nun noch retten? Richtig! Ein cooler Held! Der Held allerdings ist ein einziger Vollspacken. Er kann alles, er weiß alles, alle rennen zu ihm und fragen um Rat. Er ist MacGyver 2.0 reloaded. Er hat einen Konflikt mit seinem Vater, dem Bürgermeister, seiner Freundin, der Welt usw. Kurz: Noch nie fand ich einen Helden so nervig und unsympathisch. Eine Wohltat, als er am Ende endlich starb. Heldenhaft hat er den rettenden Platz im Helikopter für die Freundin geopfert, die er zwischenzeitlich betrogen hatte.
Wenn RTL schon so dermaßen üble Streifen produzieren lässt, sollten die doch bitte im Nirvana des Sonntagvormittagsprogramms versenkt werden. In der Hoffnung, dass niemand von diesem Machwerk Notiz nimmt. Aber nö… Abschließend war es dann doch verwunderlich, dass RTL dem Helden nicht noch den Kampf gegen den Welthunger in Afrika aufgebürdet hat. Aber okay, spätestens als vor Beginn des zweiten Teils (am Montag!) die Sponsoren von Grundig viel Spaß beim “Sonntagsfilm” wünschten, hätte ich meiner Intuition trauen und zumindest auf den zweiten Teil verzichten sollen…

28. Oktober 2009 um 14:03
Willkommen in der wunderbaren Welt von RTL.
Das sind unter anderen die Gründe, warum ich seit Jahren kein RTL mehr schaue.
Bevor man sich so etwas antut, sollte man lieber in seiner eigenen Filmsammlung stöbern und etwas besseres heraussuchen.
Da leider auf fast allen Sendern, das Niveau gesunken ist, kann man diesen Tipp auf das komplette TV-Programm übernehmen.